Biodiversität
Biodiversität ist ein Schlagwort, das heute in vielen Zusammenhängen auftaucht. Doch was genau beschreibt der Begriff Biodiversität? - Biodiversität bezeichnet die Vielfalt der unterschiedlichen Lebensformen, ihre genetische Vielfalt, den Artenreichtum, die Vielfalt von Ökosystemen sowie ihre Wechselbeziehungen untereinander und mit der natürlichen Umwelt.
Wozu brauchen wir biologische Vielfalt?
Die Gesamtheit der Ökosysteme ist die Grundlage menschlicher Existenz. Alle Gesellschaften und Kulturen unseres Planeten sind auf die Nutzung einer möglichst vielfältigen Natur angewiesen. Sie liefert die so genannten Ökosystemdienstleistungen wie sauberes Wasser, fruchtbares Land, Sauerstoff zum Atmen, Nahrungsmittel, Grundstoffe für die Herstellung von Medikamenten sowie Rohstoffe für die Industrie und Vorbilder für technische Lösungen. Biologische Vielfalt leistet einen unverzichtbaren Beitrag für das Wohlergehen der Menschen und ihrer Lebensumwelt und deren Erhaltung. Gerade in Entwicklungsländern hängen die Menschen größtenteils direkt von den natürlichen Ressourcen der Wälder und Meere ab. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Ökosysteme mit hoher Biodiversität eine wesentlich höhere Stabilität aufweisen. Das zeigt sich deutlich an landwirtschaftlichen Monokulturen, die äußerst anfällig für Schädlinge und Krankheiten sind und nur mit hohem Aufwand und Pestizideinsatz aufrecht erhalten werden können. Der zunehmende Schwund biologischer Vielfalt entzieht uns auf lange Sicht die Lebensgrundlage.
Biodiversität in Deutschland
Auch in unserem Land finden sich einzigartige Lebensräume. An der Nordsee bietet das Wattenmeer alljährlich Millionen Zugvögeln Nahrung und Rastplatz. Im Süden hat sich in den Tälern und auf den Höhen der Alpen ein besonderer Reichtum an Tier- und Pflanzenarten entwickelt. Neben der Vielfalt an Lebensräumen vom Hochgebirge bis zur Küste trägt Deutschland eine besondere Verantwortung für eine Reihe von Arten, die ihren Verbreitungsschwerpunkt in Deutschland haben. So liegen beispielsweise 25 % der Buchen-Vorkommen in Deutschland. Der Rotmilan, ein anmutiger Greifvogel, hat sogar mehr als die Hälfte seiner Vorkommen in Deutschland und hier insbesondere im Saarland. Der Orpheusspötter lebt fast ausschließlich im Saarland und einigen angrenzenden Gebieten der Pfalz. Die Biodiversität erfüllt viele Funktionen, die dem Menschen direkt zugute kommen. Insekten bestäuben Obstbäume oder begrenzen Schädlinge, Bodentiere verbessern die Bodenfruchtbarkeit und Fische decken einen Teil des Eiweißbedarfes. Zudem bietet die Natur Erholung und ist Grundlage für vielfältige Freizeitaktivitäten.
Unsere vielfach rein marktwirtschaftliche Denkweise hat zum Beispiel in der Landwirtschaft zu einer Verarmung an Rassen und Sorten bei Nutztieren und Nahrungspflanzen geführt. Während es früher mehrere tausend Getreidearten gab, werden heute nur noch wenige Sorten angebaut. Ähnlich sieht es beim Obst aus. Dadurch dass eine gewerbliche Nutzung alter Obstsorten nicht mehr rentabel war, gingen insbesondere im Zuge der Aufgabe von Streuobstwiesen alte Steinfrucht- und Kernobstsorten bereits weitgehend verloren. Die im Jahrhunderte langen Prozess der Züchtung und Domestizierung entstandene Vielfalt an Sorten und Rassen, die mit ihren speziellen Eigenschaften an unterschiedliche Anbauregionen und Lebensbedingungen angepasst waren, unterliegen heute den Marktmechanismen, die nach einer überschaubaren Anzahl von möglichst einfach zu kultivierenden Sorten streben. Unter den inzwischen bereits verlorenen Sorten waren sicherlich auch solche, die sich in Zukunft als resistent gegen einen bestimmten Schädling erweisen würden oder als besonders gut geeignet zum Anbau unter veränderten Gegebenheiten, wie sie der Klimawandel mit sich bringt.
Biodiversität weltweit
Die biologische Vielfalt ist weltweit gefährdet. Die wirtschaftlichen und privaten Aktivitäten in den Industrienationen und in zunehmendem Ausmaß auch in den Schwellenländern führen zu einer immer stärker fortschreitenden Zerstörung unserer natürlichen Lebensräume und somit zu einer weltweit steigenden Aussterberate bei den Tier- und Pflanzenarten. Dieser inzwischen schon als dramatisch zu bezeichnende Verlust an Arten und Lebensräumen ist nicht nur bedauerlich aufgrund des Wertes, den jede Art für die Umwelt bedeutet, sondern sie wird bei anhaltender oder gar steigender Tendenz langfristig auch Auswirkungen auf uns Menschen haben.
Um der weltweiten Gefährdung der Artenvielfalt Einhalt zu gebieten, wurde 1992 auf den UN-Gipfel in Rio de Janeiro ein umfassendes Abkommen zum Schutz der Natur und zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen verabschiedet. Erstmals wurde bei dieser Konferenz von 154 Staaten der Schutz der biologischen Vielfalt als ein gemeinsames Interesse der gesamten Menschheit anerkannt und die sogenannte Biodiversitätskonvention (Convention on Biological Diversity – CBD) unterzeichnet. Die teilnehmenden Staaten haben sich in dieser Übereinkunft verpflichtet, Maßnahmen zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt im eigenen Land zu ergreifen und auch die Entwicklungsländer hierbei zu unterstützen. Nachhaltige Nutzung bedeutet, dass die Bedürfnisse der heutigen Generationen erfüllt werden, ohne dass dadurch die Möglichkeiten künftiger Generationen negativ beeinträchtigt werden. In einer Folgekonferenz im Jahr 2002 in Den Haag wurde von den Teilnehmern eine Empfehlung verabschiedet, die besagt, dass der weltweite Verlust der biologischen Vielfalt bis zum Jahr 2010 deutlich vermindert werden soll. Wurde dieses Ziel erreicht? – Leider bei weitem nicht! Auch auf der 10. Vertragskonferenz der CBD im Oktober 2010 im japanischen Nagoya gelang kein Durchbruch.
Es wurde inzwischen zwar viel Papier mit ehrgeizigen Plänen zum Schutz der Biodiversität bedruckt; es gibt Aktionspläne der CBD und der EU, eine nationale Biodiversitätsstrategie der Bundesrepublik sowie zahlreiche regionale Biodiversitätsplanungen der Länder und der Naturschutzverbände (z.B. NABU und DAV). Die Naturschutztagung des DAV im September 2010 in Garmisch-Partenkirchen stand unter dem Motto „Vielfalt im Alpenraum bewahren“. Die Alpen spielen im Zusammenhang mit der Biodiversität eine besondere Rolle, sind sie doch durch einen einzigartigen Reichtum der Tier- und Pflanzenwelt geprägt. Gerade im Alpenraum ist die Artenvielfalt durch unterschiedlichste Einflüsse besonders bedroht. Bei der Tagung wurden die Bedeutung und die Gefährdung der biologischen Vielfalt im Alpenraum und die Rolle des Alpenvereins beim Erhalt der Biodiversität beleuchtet. Diskutiert wurden u.a. die Themen Erschließung und Klimawandel im Alpenraum, Umweltbildung beim Bergsport und auch das aktuelle Thema Olympiabewerbung 2018 unter dem Aspekt der Natur- und Landschaftsverträglichkeit.
Was können wir selbst zur Erhaltung der Biodiversität tun?
Jeder von uns sollte versuchen, seinen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität zu leisten. Dies kann z.B. eine naturnahe Gestaltung und Pflege des eigenen Gartens sein, ein ökologisch verträgliches Konsumverhalten, eine naturbewusste Freizeitgestaltung und eine umweltschonende Mobilität. Wichtig ist, dass wir ein stärkeres Bewusstsein für die Natur entwickeln und unser eigenes Verhalten immer wieder kritisch hinterfragen.